KHG

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Mittwoch, 22. Januar 2014

Strahlende Kinderaugen! Besuch bei der FreiZeit für Flüchtlingskinder

Die Nikolaus-Aktion der Katholischen Hochschulgemeinde Osnabrück hat sich 2013 für ein Adveniat-Projekt in Chile wie für die studentische Osnabrücker Initiative FreiZeit für Flüchtlingskinder in Bramsche-Hesepe engagiert. Da der Weg von Osnabrück nach Chile gut 12.000 km beträgt, der von Osnabrück nach Bramsche-Hesepe aber nur 20 km, lag es nahe, die Initiative FreiZeit für Flüchtlingskinder einmal vor Ort zu besuchen. 
 
Tritt man diese kleine Reise an, beschleicht einen doch das Gefühl einer großen Fahrt, da sich das Zeitgefühl wie die Raum- und Ortserfahrung auf einmal grundlegend verändern.
Mit insgesamt vier KHGlerInnen sind wir am 11. Januar 2014 zur ersten Samstagsaktion der FreiZeit im neuen Jahr mitgefahren. Gut und gern kamen so 16 Personen, Studierende wie Berufstätige zusammen, um mit den Lagerkindern den Nachmittag zu gestalten und zu verbringen.
Mit dem Zug fuhren wir von Osnabrück ab und erreichten nach etwa 20 Minuten den Bahnhof Hesepe, wo uns das evangelische Gemeindehaus zur Verfügung stand. Ein Teil der Teamer bereitete den Raum für die Bastelaktion „Kissen gestalten“ vor und zehn Personen fuhren zum Lager in Bramsche, um die Kinder zu holen. Am Lager angekommen, passierten wir unproblematisch die Kontrollstation und konnten durch das Lager gehen, um Kinder im Alter von 6-10 Jahren für den Nachmittag einzuladen. 

Theoretisch ist die Aktion bei den dort lebenden Familien bekannt, praktisch erfahren die Kinder und ihre Eltern eher spontan davon, dass die Kinder die Möglichkeit haben, das Lager für ein paar Stunden zum Spielen, Basteln und Spaß haben zu verlassen. So durchstreiften wir an diesem Nachmittag das Lager – eine ehemalige Kaserne –, um Kinder zu suchen. Der Eindruck und die Atmosphäre, beeinflusst auch durch das nass-kalte graue Wetter, hatte für mich etwas Gespenstisches und zugleich sehr Steriles. Die Häuser machten alle einen gepflegten Eindruck, nur kommt man nicht darauf, dass hier Menschen aller Altersstufen und verschiedenster Nationalitäten wohnen und leben. Nur vereinzelt begegneten uns Menschen auf dem Gelände. Mein Eindruck war eher, dass ich ein Industriegelände am Wochenende besuche. Die Arbeit liegt still, nichts passiert.
Bedenkt man aber, dass in den wohl neu aufgestellten Containern und auch in den einzelnen Räumen der verschiedenen Blocks gut 600 Menschen auf die Entscheidung ihres Asylantrags warten müssen, gewinnt der Besuch eines des größten Aufnahmelagers unseres Landes an neuer Brisanz. Hier leben Menschen und warten darauf zu hören, wie es mit ihrem Leben und dem ihrer Kinder weitergeht. Ausgestattet sind sie mit dem notwendigsten, was man zum Leben braucht. Viel mehr aber wohl auch nicht.
Die über 150 Kinder, die dort zurzeit leben, bekommen jeden Tag zwei Stunden Unterricht in der Lagerschule. Gelehrt werden Fächer wie Deutsch und Mathematik. Sobald sie ein gewisses Lernniveau erreicht haben, können sie auf öffentliche Schulen wechseln.
Ich frage mich hierbei allerdings, wie viele Kinder dazu die Gelegenheit haben und sie nutzen können? Und zugleich bewegt mich die Frage, wie mag wohl ihre und vor allem die Zukunft der anderen Kinder aussehen, die diese Chance nicht haben?
An unserem Nachmittag hatten wir die Möglichkeit, 19 Kinder zum Gemeindehaus mitzunehmen und ihnen somit eine kleine Freude zu bereiten. Der Weg vom Lager zum Gemeindehaus wird zu Fuß zurückgelegt. Hier hatten wir schon die erste Gelegenheit, die Kinder kennenzulernen. Zwei Schwestern, die aus Serbien kamen, freuten sich über den Spaziergang. Sie zeigten mir „schöne Häuser“, hatten Freude am Balancieren auf Grundstücksmauern und am Erzählen, sofern das ging. Gemeinsam hatten alle Kinder Spaß daran uns zu zeigen, wie toll und wie weit sie zählen konnten. Bis 100 ist das überhaupt kein Problem! 
 
Am Gemeindehaus angekommen, sangen wir ein Begrüßungslied, bei dem alle Namen zusammen mit einer Geste vorgestellt wurden. Im Anschluss wurden in verschiedenen Gruppen vorbereitete Kissenbezüge bemalt, mit Schleifen verfeinert oder mit Knöpfen verschönert. Alle Jungen und Mädchen hatten hierbei große Freude. Schön war es, dass die Kissen später alle präsentiert wurden und alle Kinder alle Kunstwerke lautstark beklatscht haben! Jedes Kind hatte an diesem Tag sein eigenes Erfolgserlebnis! Schließlich wurden zusammen noch Mandarinen und Plätzchen gegessen wie Wasser getrunken. Danach wurde jedes Kind mit Schokoladen-Nikoläusen beschenkt, so dass die Augen über die Ausbeute des Nachmittags – über die Kissen wie die Schokolade – strahlen konnten und der Heimweg nach einem Abschlusslied gut gelaunt angetreten werden konnte. 
 
Für die Kinder wie für alle Erwachsenen und uns KHGlerInnen war der Nachmittag eine tolle Erfahrung. Über alle Sprachbarrieren hinweg haben wir eine wunderbare Gemeinschaft erlebt, die existenzielle wie alltägliche Probleme für ein paar Stunden vergessen ließen. Die FreiZeit-Veranstaltung war eine wirkliche Freizeit – eine gelungene Auszeit, und dafür gebührt den Akteuren der FreiZeit großen Dank. Durch ihr herzliches Engagement und ihre große Kreativität schenken sie den Kindern ein paar unbeschwerte Stunden, wie man sie jedem Kind nur wünschen kann. 
 
Dennoch bleibt so ein Nachmittag nicht ohne Wirkung – zumindest bei mir. Fragen nach unserer heutigen Asylpolitik drängen sich auf, Fragen nach der Bildung der Kinder rücken in den Vordergrund, gerade dann, wenn G8-Fragen, Pisa-Studien und bildungspolitische Forderungen für unsere eigenen Kinder hier immer wieder neu diskutiert und ihre Bedeutung nicht hoch genug gehängt werden kann. Welche Möglichkeiten haben die Asylbewerberfamilien, die aus den unterschiedlichsten Gründen ihre Heimat verlassen mussten? Wann finden sie ein neues Zuhause? Wann und wo finden sie ihre neue Heimat? Wie werden sie willkommen geheißen? Und inwiefern haben sie dann noch die Möglichkeit, ihre eigene Geschichte, ihre eigene Kultur in ihren und unseren Alltag einfließen zu lassen?
Und die wichtigste Frage ist für mich, wie können wir den Kindern den Übergang und später den Start in ein neues Leben erleichtern? Ein wichtiger Punkt ist dabei die Frage nach der Bildung, ein anderer ist die Frage nach unserer Bereitschaft zur Integration. Wie integrieren wir Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit ihren sicherlich nicht einfachen Erfahrungen als AsylbewerberInnen in unserem Land? 
 
Die FreiZeit hat mir gezeigt, wie leicht man Brücken schlagen kann, wie man mit wenigen Hilfsmitteln ein paar Stunden wunderbar gestalten kann und wie gleich alle Kinder sind: Alle wollen angeschaut, gesehen werden, alle wollen lachen und sich ausprobieren – so kann man Kinder leicht glücklich machen und so strahlen Kinderaugen aus tiefsten Herzen.
Danke für diese Erfahrung! 

 
Birgit Hosselmann, Hochschulseelsorgerin in der KHG Osnabrück


Wer bei der FreiZeit für Flüchtlingskinder mitmachen möchte, kann die Initiative gerne kontaktieren.
Weitere Hinweise zu ihrer Arbeit gibt es auf: http://fff-os.blogspot.de/

Donnerstag, 2. Januar 2014

Jahresbeginn 2014

Jedes neue Jahr ist eine neue Möglichkeit, entdeck Dich selber und die Welt, find’ Dich und genieß die Zeit, und besinn Dich auf das, was wirklich zählt! 
Ein gesegnetes Jahr 2014!